Berufsschulen

Die Berufschule ist seit dem geschichtsträchtigen Jahr 1871 eine deutsche Schulform im Bereich der berufsbildenden Schulen und Berufsausbildung. Die Berufsschulen hießen bis 1912 in Deutschland "Fortbildungsschulen", erfüllten aber letzlich dieselbe Funktion wie die heutige Berufschule. Die Berufsschule vermittelt Schülern, die eine Berufsausbildung absolvieren, während ihrer meist betrieblichen Berufsausbildung die durch den sogenannten Rahmen-Lehrplan des jeweiligen Ausbildungsortes bestimmten allgemeinbildenden oder fachspezifischen theoretischen Inhalte. Sie ist eine der beiden Säulen der dualen Ausbildung. Sie hat die beiden Aufgaben, die Allgemeinbildung und die jeweilige fachliche Bildung der Auszubildenden zu erweitern. 

 

Umzug und Berufsschule

Wenn Sie während Ihrer Berufsausbildung den Wohnort wechseln, dann kann das zu Komplikationen führen, muss es aber nicht. Wichtig ist, dass Sie frühzeitig kommunizieren, dass Sie umziehen möchten und dass Sie sich früh um einen Ausbildungsbetrieb am neuen Wohnort bemühen. Sagen Sie so früh wie möglich in Ihrer Berufsschule und Ihrem alten Ausbildungsbetrieb Bescheid, ab wann Sie wegziehen wollen. Dann kontaktieren Sie am besten die Berufsschule am neuen Wohnort und fragen Sie nach Empfehlungen für einen Ausbildungsbetrieb. In der Regel kennen die Berufsschulen gute Ausbildungsbetriebe, mit denen sie regelmäßig zusammenarbeiten und können Ihnen helfen. Falls nicht: Nehmen Sie die Zügel selbst in die Hand und bewerben Sie sich um eine Ausbildungsstelle an Ihrem neuen Wohnort. Rechtzeitig dran sein und kümmern ist das Wichtigste. Dann ist der Umzug und der Ausbildungsplatzwechsel leicht zu bewältigen.

 

Zeit und Umfang der Ausbildung an Berufsschulen

Die Berufsschule hat ein bis zwei Berufsschultage wöchentlich, mit rund acht bis zwölf Unterrichtsstunden, abhängig von Beruf und Ausbildungsjahr. Die Unterrichtszeit kann auch zu mehrwöchigen Unterrichtsblöcken, dem sogenannten Blockunterricht zusammengefasst werden. Diese Form wird in Deutschland insbesondere bei Ausbildungsberufen mit einer geringen Zahl von Auszubildenden (so genannte "Splitterberufen" oder Berufe des öffentlichen Dienstes, wie z. B. Verwaltungsfachanagestellte) gewählt, wenn diese in Landes- oder Bundesfachklassen unterrichtet werden. Die übrigbleibende, also meiste Zeit dient, so ist es zumindest gedacht, der Vermittlung der nach dem Ausbildungsrahmenplan vorgeschriebenen Inhalte in dem Betrieb oder Unternehmen, mit dem der Ausbildungsvertrag geschlossen wurde.

Die Ausbildungsdauer beträgt in Deutschland je nach Beruf 2 bis 3,5 Jahre. besonders gute und talentierte Schüler bzw. Auszubildene können auch eine Lehrzeitverkürzung erhalten, wenn Ausbilder und Berufsschule damit einverstanden sind. Für die Aufnahme einer Ausbildung gibt es in Deutschland keine formalen Voraussetzungen; von den Betrieben wird jedoch in den meisten Fällen ein erfolgreicher Schulabschluss bzw. die entsprechende Qualifikation für den jeweiligen Ausbildungsberuf vorausgesetzt.

 

Schulabschluss und Abschlussprüfung

Die Berufsschule und damit die gesamte Ausbildung schließt mit einer Abschlussprüfung vor einer 'zuständigen Stelle' - so der Begriff aus dem Berufsbildungsgesetz - ab. In Deutschland sind dies z. B. die Handwerkskammern (HWK), Verwaltungsschulen (auch "Studieninstitute" genannt), die Industrie- und Handelskammern (IHK) oder auch die Rechtsanwaltskammern. Der Abschluss der Berufsausbildung wird nach beendeter Berufsschule und der bestandenen Abschlussprüfung in Deutschland mit dem Abschlusszeugnis bestätigt. Traditionell werden dafür in Deutschland noch die Bezeichnungen "Facharbeiterbrief" in den technischen Berufen der Industrie), "Gesellenbrief" (vor allem im Handwerk),  oder dem "IHK-Prüfungszeugnis" (meistens in den kaufmännischen Berufen) verwendet.

 

Das duale Berufsausbildungssystem in Deutschland

Das Berufsbildungsgesetz in Deutschland sieht ein sogenanntes "Duales Berufsausbildungssystem" vor. Auszubildende werden immer an zwei Lernorten ausgebildet: Einen davon bildet die Berufsschule, den anderen der jeweilige Ausbildungsbetrieb. Während im Ausbildungsbetrieb die praktische Ausbildung stattfindet, sollten in der Berufsschule allgemeinbildende und fachliche Inhalte vermittelt werden. Jedoch gibt es in den Berufsschulen auch Lehrwerkstätten mit Praxisunterricht im Sinne der Arbeitsschule. Heute nennt man dies "Handlungsorientierten Unterricht". Rechtsgrundlage für diesen handlungsorientierten Unterricht sind zum einen der Rahmenlehrplan und zum anderen die Richtlinien für die betreffenden Fächer. Es werden allgemeinbildende Fächer wie z. B. Deutsch, Mathematik und fachtheoretische Fächer, die je nach Ausbildungsberuf unterschiedlich sind, aber auch fachpraktische Fächer unterrichtet.

Für die Auszubildenden besteht in der Berufsschule in der Regel physische Anwesenheitspflicht, die Leistungen werden am Ende der Ausbildung mit einem Berufsschulzeugnis bestätigt. Der betriebliche Ausbilder ist verpflichtet, Auszubildende zum Besuch der Berufsschule anzuhalten. Der erfolgreiche Abschluss der Berufsschule ermöglicht in der Regel, abhängig vom jeweiligen Bundesland, den Besuch einer weiterführenden Schule. In den meisten Fällen sind Berufsschulen jeweils handwerklichen oder kaufmännischen Berufsfeldern zugeordnet. Beaufsichtigt werden die Berufsschulen von den jeweils zuständigen Schulaufsichtsbehörden. Sie unterstehen den eigenen Schulgesetzen des jeweiligen Bundeslandes.

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