Realschulen

Realschulen sind in Deutschland weiterführende Schulen und ein Bildungsweg im deutschen, gegliederten Schulsystem. In der Realschule wird Schülerinnen und Schülern eine erweiterte allgemeine Bildung vermittelt. Damit ist die Realschule zwischen der deutschen Hauptschule und dem Gymnasium angesiedelt. Sie umfassen die Jahrgangsstufen 5 bis 10 bzw. 7 bis 10 und werden mit der sogenannten Mittleren Reife (Realschulabschluss oder Fachoberschulreife) abgeschlossen. Ab der 7. Klasse sollen die Schülerinnen und Schüler, im Rahmen des sogenannten Wahlpflichtunterrichts, zwischen unterschiedlichen fachlichen Profilen zu wählen. Meist bieten die Profile eine technisch-naturwisschenschaftliche, handwerklich-künstlerische oder wirtschafts- bzw. gesellschaftskundliche Ausbildung an oder ermöglichen das Belegen einer zweiten Fremdsprache. Welche Richtungen oder Wahlfächer angeboten werden, hängt vom jeweiligen Land und gegebenenfalls auch von der einzelnen Schule beziehungsweise dem jeweiligen Lehrerkollegium ab.

 

Realschule und dann?

Bei erfolgreicher Mittlerer Reife, die man in einigen Bundesländern auch nach dem Abschluss der 10. Klasse an Gymnasien ohne Prüfung erhält, berechtigt diese zur Aufnahme einer Berufsausbildung, zum Eintritt in die mittlere Beamtenlaufbahn oder zum Besuch von Berufsfachschulen, Fachoberschulen oder der gymnasialen Oberstufe. Demnach ist der Unterricht eher praxisbezogen, ohne aber auf eine Orientierung auf die Wissenschaft zu verzichten. Einen großen Teil nimmt die Berufswahlvorbereitung ein, die wegen ihrer Komplexität nicht nur in einem, sondern geleich in mehreren Fächern oder auch interdisziplinär behandelt wird.

 

Unterschiede bei Realschulen in einzelnen Bundesländern

 

Realschulen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gehen rund ein Drittel der Schüler in die Realschule, die die Jahrgangsstufen 5 - 10 umfasst. Etwa ein Drittel davon besuchen danach ein berufliches Gymnasium und erwerben so das Abitur. Eine Besonderheit der baden-württembergischen Version der Realschule sind die Fächerverbünde EWG (Erdkunde, Wirtschaftskunde, Gemeinschaftskunde) und NWA (naturwissenschaftliches Arbeiten: Physik, Biologie, Chemie). Am Ende der sechsten Jahrgangsstufe muss im Wahlpflichtbereich eines der Fächer TechnikMensch und Umwelt oder Französisch gewählt werden, welches dann ab der siebten Jahrgangsstufe jeweils mit drei Wochenstunden unterrichtet wird und als Kernfach auch für das Vorrücken in die nächste Klasse oder Jahrgangsstufe ausschlaggebend ist. Neben der Realschule gibt es in Baden-Württemberg die Werkrealschule, die ebenfalls zu einem mittleren Bildungsabschluss führt und sich aus der Hauptschule entwickelt hat.

 

Realschulen in Bayern

Die Realschule in Bayern vermittelt eine allgemeine und berufsvorbereitende Bildung, indem sie theoretischere Fragen umfasst und gleichzeitig praktische Fähigkeiten und Begabungen zu fördern sucht. Im Jahr 2000 wurde in Bayern die sechsjährige Realschule (R6) eingeführt. Sie umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 10 und endet wie schon zuvor mit dem Realschulabschluss, also der mittleren Reife. Die bayerische Realschule differenziert ab der 7. Jahrgangsstufe, indem sie vier Wahlpflichtfächergruppen anbietet: den naturwissenschaftlichen Zweig (Mathematik, Physik und Chemie), den wirtschaftswissenschaftlichen Zweig (Betriebswirtschaftslehre) und den sprachlichen Zweig (meist Französisch). Sie kann, wenn entsprechende Lehrkräfte vorhanden sind, ergänzt werden im musisch-gestaltenden, hauswirtschaftlichen oder im sozialen Bereich, die jeweils ebenfalls stark berufspraktisch ausgerichtet sind. Auch Praktika sind in der Realschule oft für die Dauer von ein bis zwei Wochen vorgesehen. Typische Wahlpflichtfächer für den diesen, den sogenannten dritten Zweig, sind Werken, Haushalt und Ernährung, Sozialwesen, Kunst und Musik.

 

Realschulen als Gesamtschulen

In einigen Bundesländern gibt es auch Gesamtschulen. In der kooperativen Variante sind die drei Schulformen Gymnasium, Realschule und Hauptschule unter dem Dach der Gesamtschule zu erkennen, in der integrierten Form nicht mehr. In beiden Arten von Gesamtschulen wird der mittlere Bildungsabschluss vergeben. In den sogenannten Gemeinschaftsschulen (in Schleswig-Holstein eingeführt) wird dieser Abschluss ebenfalls in Aussicht gestellt.

 

Teilintegrierte Realschulen

In manchen Bundesländern ist die Realschule als eigenständige Schulform entweder abgeschafft oder, wie in den Bundesländern der ehemaligen DDR, gar nicht erst errichtet worden. Sie existiert jedoch weiterhin in Form eines teilintegrierten Bildungswegs, was bedeutet, dass die Länder durch ihr Schulsystem sicherstellen, dass der mittlere Bildungsabschluss erworben werden kann.

In Berlin wurde 2010 die Realschule zusammen mit der Hauptschule und der Gesamtschule in die integrierte Sekundarschule umgewandelt. Somit gibt es nur noch zwei verschiedene Schulformen in Berlin, das Gymnasium und die integrierte Sekundarschule.

Brandenburg fasste ab 2005 alle Realschulen und Gesamtschulen ohne gymnasiale Oberstufe zur Oberschule zusammen.

Im Saarland wurde die Realschule mit der Hauptschule fusioniert. Die neue Schulform ist nun die sogenannte "Erweiterte Realschule", in der die Schüler in den Klassen 5 und 6 gemeinsam lernen, ab der siebten Jahrgangsstufe dann aber in verschiedene Zweige aufgeteilt werden (Haupt- und Realschulzweig). Ganz ähnliche Wege gingen die beiden Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz mit der Einrichtung Regionaler Schulen, Sachsen mit der Errichtung der Mittelschule, Sachsen-Anhalt mit der Zusammenfassung des Haupt- und Realschulkonzepts in sogenannte Sekundarschulen sowie Thüringen mit der Einführung der Regelschule.

Bremen fasste im Jahr 2004 die Haupt- und Realschulen zur Sekundarschule zusammen. In dieser werden bis zur sechsten Jahrgangsstufe alle Schülerinnen und Schüler zusammen unterrichtet. Ab der siebten Jahrgangsstufe findet in den Fächern Mathematik und Englisch eine fächerbezogene Leistungsdifferenzierung statt, ab der achten Klasse auch im Fach Deutsch. Ab der neunten Jahrgangsstufe werden die Schüler in abschlussbezogene Profilklassen (Haupt- bzw. Realschulprofilklassen) eingestuft um ganz gezielt nach Begabungen und Können unterrichtet zu werden.

 

Wie hilfreich ist diese Seite?
x
Realschulen
(0/5)
(0/5)

Insgesamt 0 Bewertungen.